Kostenloser Bereich  - Quick Takes

03. Schlafmittel: Wie hoch ist ihr tatsächliches Missbrauchspotenzial in der Praxis?

Veröffentlicht am Mai 26, 2026 Ablaufdatum der Zertifizierung: Mai 26, 2029 DOI: 10.64239/PI-DE-QT8703

David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M.

Professor of Psychiatry - University of Maryland School of Medicine

Kernpunkte

  • Reale Daten aus dem FDA Adverse Event Reporting System legen nahe, dass die Einstufung nach dem Controlled Substances Act das Missbrauchspotenzial von Schlafmitteln nur unzureichend vorhersagt. Rangfolge von höchstem zu niedrigstem Anteil missbrauchsbezogener Meldungen: Benzodiazepine, Trazodon, Doxepin, Z-Substanzen, Ramelteon, duale Orexinrezeptor-Antagonisten (DORAs).
  • Bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung sollten DORAs (z. B. Suvorexant) als Erstlinientherapie erwogen werden. Indirekte Netzwerkvergleiche deuten darauf hin, dass DORAs wirksamer sind als Ramelteon.
  • Wenn DORAs aufgrund der Schedule-4-Einstufung, der Kosten oder fehlender Kostenübernahme nicht in Frage kommen, sollte Doxepin in Betracht gezogen werden. Doxepin ist als Generikum verfügbar und in indirekten Vergleichen wirksamer als Ramelteon.

Kostenlose Downloads für Offline-Zugriff

  • Free Download PDF File

Textversion

Reales Missbrauchspotenzial von Schlafmitteln

Insomnie ist eine häufige medizinische Beschwerde. Als Erstlinienbehandlung werden psychosoziale Maßnahmen empfohlen, insbesondere Schlafhygiene und kognitive Verhaltenstherapie. Für Patienten, die auf psychosoziale Behandlung nicht ausreichend ansprechen, stehen mehrere FDA-zugelassene Medikamente zur Verfügung. Darüber hinaus werden einige Medikamente, die nicht für die Indikation Insomnie zugelassen sind, häufig off-label eingesetzt.

Bei der Verschreibung stellt das Missbrauchspotenzial des jeweiligen Medikaments eine wichtige klinische Überlegung dar – umso mehr, da Schlafmittel oft chronisch eingenommen werden. Eine wesentliche Orientierungshilfe zur Beurteilung des Missbrauchspotenzials bietet die Einstufung nach dem Controlled Substances Act (CSA). Die Schedules reichen von 1 bis 5; je höher die Schedule-Nummer, desto geringer das Missbrauchspotenzial.

Dieses Einstufungssystem basiert jedoch mitunter auf lückenhafter oder fehlender Evidenz – insbesondere für Medikamente, die vor 2010 von der FDA zugelassen wurden. In jenem Jahr schrieb die FDA erstmals explizite Testverfahren zum Missbrauchspotenzial beim Menschen für alle neuen psychoaktiven Medikamente vor.

Reale Daten aus dem FDA Adverse Event Reporting System

Um diese Informationslücke zu schließen, nutzten Saskin und Kollegen reale Evidenz aus einer systematischen Auswertung des FDA Adverse Event Reporting System. Als Maß für das Missbrauchspotenzial eines Medikaments verwendeten sie den Anteil individueller Fallberichte von Patienten mit unerwünschten Ereignissen, die als Missbrauch, Abhängigkeit oder Entzug kodiert waren. Dieser Anteil wurde für sechs verschiedene Wirkstoffklassen verglichen, die zur Behandlung von Insomnie eingesetzt werden – unabhängig davon, ob die jeweilige FDA-Zulassung für diese Indikation vorlag.

Zur Beurteilung signifikanter Unterschiede zwischen den Medikamenten im Anteil der als Missbrauch, Abhängigkeit oder Entzug kodierten Fälle wurden zwei weitverbreitete statistische Methoden eingesetzt: Reporting Odds Ratios und Proportional Reporting Ratios.

Rangfolge entsprach nicht den CSA-Schedules

Die Studie ergab, dass die Rangfolge der Fallanteile nicht durchgehend der CSA-Einstufung der Medikamente entsprach.

  • Den höchsten Fallanteil wiesen Benzodiazepine auf; dabei lag der Anteil für solche mit Zulassung für beliebige Indikationen geringfügig höher als für speziell zur Behandlung von Insomnie zugelassene Präparate. Interessanterweise sind beide Benzodiazepingruppen in Schedule 4 eingestuft, was auf ein geringes Missbrauchspotenzial bei gleichzeitiger Kontrollpflicht hinweist.
  • Den zwöchthöchsten Fallanteil verzeichneten Trazodon und Doxepin. Beide sind nicht-trizyklische Antidepressiva, die überhaupt nicht unter den CSA fallen – ihnen wird also keinerlei Missbrauchspotenzial zugeschrieben.
  • Den dritthöchsten Fallanteil wiesen Z-Substanzen wie Zolpidem auf, die ebenfalls in Schedule 4 eingestuft sind.
  • Den niedrigsten Fallanteil zeigten Ramelteon und duale Orexinrezeptor-Antagonisten wie Suvorexant, gemeinhin als DORAs bezeichnet. Keines dieser Medikamente ist nach dem CSA eingestuft.

Limitationen der Studie

Diese Ergebnisse können für Kliniker hilfreich sein, sind jedoch mit einigen wesentlichen Einschränkungen zu interpretieren.

Erstens beruht das FDA Adverse Event Reporting System auf der freiwilligen Meldung durch Ärzte oder Patienten. Daher ist die tatsächliche Häufigkeit unerwünschter Ereignisse möglicherweise untererfasst und kann je nach medialer Präsenz eines Medikaments schwanken.

Zweitens werden Fallberichte nicht auf Kausalität geprüft. Diese Daten spiegeln bestenfalls einen scheinbaren Zusammenhang zwischen dem Medikament und dem unerwünschten Ereignis wider.

Drittens unterliegen beide verwendeten statistischen Methoden verschiedenen Verzerrungsquellen. Gewisse Zuversicht in die Befunde ist dennoch gerechtfertigt, da beide Methoden zu demselben Ergebnismuster führten.

Fazit für die klinische Praxis

Fazit: Ärzte sollten sich bei der Beurteilung des Missbrauchspotenzials von Schlafmitteln nicht allein auf die CSA-Einstufung verlassen. Diese realen Daten legen nahe, dass Ramelteon oder DORAs die bevorzugte Wahl darstellen, wenn das Missbrauchspotenzial eine wesentliche klinische Überlegung ist. Dies gilt insbesondere für Patienten mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung einer Substanzgebrauchsstörung – etwa solche mit einer entsprechenden Vorgeschichte oder mit zu erwartender Langzeitmedikation.

Bedauerlicherweise liegen keine direkten Wirksamkeitsvergleiche zwischen Ramelteon und DORAs vor. Indirekte Netzwerkvergleiche deuten darauf hin, dass DORAs wirksamer sind als Ramelteon. Daher empfehle ich DORAs als Mittel der ersten Wahl bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung.

Für Patienten, bei denen DORAs aufgrund der Schedule-4-Einstufung, der Kosten oder von Hürden bei der Kostenübernahme nicht geeignet sind, empfehle ich Doxepin. Basierend auf indirekten Netzwerkvergleichen ist Doxepin wirksamer als Ramelteon. Da es als Generikum erhältlich ist, ist Doxepin deutlich kostengünstiger als Ramelteon oder DORAs. Bei Patienten, die mit ihrem aktuellen Schlafmittel gut eingestellt sind, würde ich von einem Wechsel zu einem anderen Medikament abraten.

Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

Real-world data on the abuse potential of medications for the treatment of insomnia: a disproportionality analysis of the FAERS database

Paul Saskin, William V. McCall, David N. Neubauer, Antonio Crucitti, Bradford Perry, Pierre Philippe Luyet, Riphed Jaziri & Cedric Vaillant

Background

Insomnia disorder is a chronic medical condition estimated to affect 12% of adults. The potential for abuse of hypnotics often contributes to physician reluctance to prescribe medications to treat insomnia as a chronic condition. This study examined the real-world abuse potential of approved and off-label medications used to treat insomnia, employing data from the FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) database.

Methods

Data from 1 January 2014 to 31 March 2024 were retrieved. Drugs of interest included Schedule IV drugs (benzodiazepines, Z-drugs, dual orexin receptor antagonists [DORAs]) and non-scheduled drugs (trazodone, doxepin, ramelteon). Relevant reported adverse events denoting drug abuse were identified if they contained an event with any preferred terms from the SMQ Drug abuse, dependence, and withdrawal (MedDRA v26.1), with cases of overdose due to suicide attempts excluded. The reporting odds ratios (ROR) and proportional reporting ratios (PRR) were used as disproportionality measures.

Results

Rates of adverse event cases of abuse, dependence, and withdrawal retrieved were highest for benzodiazepines approved for any indication, followed by benzodiazepines approved for insomnia, trazodone, doxepin, Z-drugs, ramelteon, and DORAs. DORAs were associated with a low ROR value relative to Z-drugs (ROR = 0.150; 95% CI [0.131, 0.171]) and to trazodone (ROR = 0.092; 95% CI [0.081, 0.105]). Similar results were obtained using the PRR. The DORA class had the lowest rates of adverse event denoting drug abuse, even lower than the unscheduled drugs ramelteon and doxepin, which are known not to be prone to abuse or dependence. Furthermore, the DORA class had significantly lower odds of reporting for adverse events denoting drug abuse when compared with zolpidem or the unscheduled medication trazodone.

Conclusion

This study identified significantly fewer reported cases of real-world abuse, misuse, overdose, and other safety risks for DORAs compared with the unscheduled drug trazodone and scheduled Z-drugs. This suggests that categorization of DORAs as Schedule IV drugs may overstate their abuse potential.

Referenz

Saskin, P.; McCall, W.; Neubauer, D.; Crucitti, A.; Perry, B.; Luyet, P. et al. (2026). Real-world data on the abuse potential of medications for the treatment of insomnia: a disproportionality analysis of the FAERS database. Frontiers in Pharmacology; 16.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Ein geeignetes Antipsychotikum der ersten Wahl für Patientinnen mit Erstpsychose auszuwählen, basierend auf Verträglichkeitsprioritäten wie Hyperprolaktinämie, kardiometabolischem Risiko und reproduktionsmedizinischen Überlegungen.
  • Evidenzbasierte Non-Clozapin-Strategien bei therapieresistenter Schizophrenie anzuwenden, einschließlich der Rolle von Antidepressiva, NMDA-Glycin-Modulatoren sowie der Rationale für zeitlich begrenzte Augmentationsversuche.
  • Das Missbrauchspotenzial von Insomnia-Medikamenten anhand von realen FDA-Daten zu unerwünschten Ereignissen zu bewerten und bevorzugte Wirkstoffe für Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Substanzgebrauchsstörung zu identifizieren.
  • Die Limitationen von Studien mit seriellem Ketamin – einschließlich Verblindungsversagen und unzureichender Stichprobengröße – zu interpretieren, wenn Patienten zur Evidenzlage von Ketamin bei Depressionen beraten werden.
  • Diätetische Anthocyanin-Strategien als adjunktive Interventionen für Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen zu empfehlen, basierend auf einer Metaanalyse von 59 randomisierten kontrollierten Studien.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 26. Mai 2026
Ablaufdatum: 26. Mai 2029

Experten: Amanda Koire, M.D., Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M., James Phelps, M.D. und Derick E. Vergne, M.D.
Medizinische Redakteure: Sebastián Malleza M.D. und Flavio Guzmán, M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Wolters Kluwer: Royalties for writing articles about cannabis and cocaine
– Springer Nature: Honoraria for editing the Journal of Cannabis Research
– PleoPhmarma, Inc.: Research funding for conducting a clinical trial on cannabis withdrawal

James Phelps, M.D. legt die folgenden Beziehungen offen:
– McGraw-Hill: Published books about bipolar
– W.W. Norton & Co.: Published books about bipolar
– PESI: Honoraria for webinars about bipolar
– eCare: Honoraria for webinars about bipolar

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@ml-staging.psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

Kostenlose Dateien
Erfolg!
Prüfen Sie Ihren Posteingang, wir haben Ihnen alle Materialien dorthin gesendet.
Weiter auf der Website
Instant access modal

Werden Sie ein Silver – de oder Silver extended – de-Mitglied.

2026–27 Psychopharmacology CME Program

Unlock up to CME Credits, including SA CME Credits.

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.