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03. Alzheimer-Demenz: Olanzapin vs. Risperidon bei BPSD

Veröffentlicht am April 1, 2025 Ablaufdatum der Zertifizierung: April 1, 2028 DOI: 10.64239/PI-DE-QT7303

Scott R. Beach, M.D.

Associate Professor of Psychiatry - Harvard Medical School

Kernpunkte

  • Olanzapin könnte bei Wahnvorstellungen und nächtlichen Schlafstörungen im Rahmen der Alzheimer-Krankheit wirksamer sein als Risperidon. Olanzapin weist weniger extrapyramidale Nebenwirkungen (EPS) auf, verursacht jedoch eine stärkere Gewichtszunahme.
  • Die Ergebnisse dieser Metaanalyse unterliegen jedoch wesentlichen Einschränkungen, darunter geringe Stichprobengrößen, nicht verblindete Studien sowie der Vergleich heterogener BPSD-Symptome.
  • Wahnvorstellungen bei Demenz (z. B. Diebstahl-, Untreue- oder Einbrecher-Wahn) könnten eher Konfabulationen infolge cholinerger Dysfunktion darstellen als dopaminerge Prozesse widerspiegeln. Das „unreine" pharmakologische Profil von Olanzapin könnte dessen potenziellen Vorteil bei diesem Phänomen erklären.

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Antipsychotika bei Demenz-assoziierter Agitation

Vor einigen Monaten haben wir die eingeschränkten Therapieoptionen zur Behandlung von Agitation bei Alzheimer-Demenz und anderen Demenzformen erörtert. Antipsychotika werden nach wie vor häufig eingesetzt – trotz FDA-Warnhinweisen bezüglich eines erhöhten Risikos für plötzlichen Tod bei Demenzpatienten und trotz Leitlinienempfehlungen, die ihren Einsatz auf schwere Agitationszustände beschränken, bei denen Patient oder betreuende Person gefährdet sind.

Lediglich Brexpiprazol verfügt über eine offizielle US-amerikanische Zulassung, dessen Einsatz jedoch durch verschiedene Faktoren limitiert ist. In Europa besitzt Risperidon eine Zulassung für die Kurzzeitbehandlung von Verhaltensstörungen bei der Alzheimer-Demenz. Zahlreiche weitere Substanzen werden Off-Label eingesetzt, mit unterschiedlicher Evidenzlage und unterschiedlichen Nebenwirkungsprofilen.

Meta-Analyse: Olanzapin vs. Risperidon

Eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse vergleicht Olanzapin und Risperidon hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit bei demenzassoziierten Verhaltensstörungen mit dem Ziel, Klinikern zusätzliche Evidenz für die Auswahl zwischen den begrenzten Therapieoptionen bereitzustellen. Die im Fachjournal Medicine Open publizierte Studie analysierte 23 prospektive, kontrollierte klinische Studien mit insgesamt 2.427 Teilnehmern. Dies ist für eine Meta-Analyse eine verhältnismäßig kleine Stichprobengröße, was die Aussagekraft der Schlussfolgerungen einschränkt. Der Großteil der eingeschlossenen Studien war nicht verblindet, und bei der Mehrheit bestand ein potenzielles Biasrisiko, was zu niedrigeren Qualitätsbewertungen führte. Die Studien untersuchten im Allgemeinen einen Kurzzeitmedikamenteneinsatz von acht Wochen oder weniger.

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BPSD: Ein übergeordneter Begriff

Die Autoren verwenden durchgehend den Begriff BPSD (behaviorale und psychologische Symptome der Demenz). Diese übergeordnete Kategorie umfasst fünf verschiedene Subkategorien:

  1. Kognitiv-perzeptuelle Störungen (Halluzinationen, Wahnphänomene)
  2. Motorische Symptome (Umherwandern, Wandering)
  3. Verbale Symptome (Schreien, verbale Aggressivität)
  4. Emotionale Symptome (Stimmungsschwankungen)
  5. Vegetative Symptome (Insomnie, verminderter Appetit)

Diese Heterogenität der Zielsymptome zwischen den einzelnen Studien erschwert den Vergleich im Rahmen einer Meta-Analyse und schränkt die Schlussfolgerungen weiter ein.

Hauptbefunde: Potenzielle Vorteile von Olanzapin

Die Studie legt nahe, dass Olanzapin bei der Reduktion von BPSD – insbesondere bei Wahnphänomenen und nächtlichen Verhaltensstörungen – wirksamer sein könnte als Risperidon. Olanzapin zeigte zudem ein geringfügig günstigeres Nebenwirkungsprofil hinsichtlich EPS, Agitation und Schlafstörungen, verursachte jedoch eine stärkere Gewichtszunahme.

Einige Befunde entsprechen den Erwartungen: • Erhöhtes EPS-Risiko unter Risperidon (hochpotente Substanz) • Stärkeres Gewichtszunahmepotenzial unter Olanzapin • Verbesserung von Schlafstörungen durch die sedierende Wirkung von Olanzapin

Wahnphänomene bei Demenz: Ein eigenständiges Phänomen?

Der Befund, dass Olanzapin bei Wahnphänomenen besser abschneidet als Risperidon, ist weniger intuitiv nachvollziehbar. Eine aufkommende Theorie postuliert, dass sich Wahnphänomene bei Demenz von jenen bei primären psychiatrischen Erkrankungen wie der Schizophrenie grundlegend unterscheiden.

Während Wahnphänomene bei der Schizophrenie als dopaminerg vermittelt gelten, könnten Wahnphänomene bei Demenz eher Störungen des Default-Mode-Netzwerks und des cholinergen Systems widerspiegeln. Sie wären demnach eher als Konfabulationen zu verstehen – als Lückenfüller kognitiver Defizite – denn als genuine Wahnphänomene. So könnte beispielsweise der Diebstahlswahn (der häufigste und früheste Wahn bei Alzheimer) dadurch entstehen, dass Patienten vergessen, wo sie Gegenstände abgelegt haben, und ihr Gehirn diese Lücke durch die Konstruktion einer Diebstahlsgeschichte schließt. Ähnliche Theorien existieren für andere häufige Wahnformen bei Demenz (z. B. Eifersuchtswahn, Überzeugung, dass Eindringlinge im Haus Möbel oder Gegenstände verrücken).

Sollten es sich dabei nicht um klassische, dopaminerg beeinflusste Wahnphänomene handeln, könnte der Vorteil von Olanzapin auf dessen „unsauberem“ pharmakologischen Profil mit multiplen Wirkmechanismen beruhen.

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Limitationen der Studie

Die geringe Stichprobengröße und die heterogenen Endpunkte schränken die Schlussfolgerungen der Studie erheblich ein. Die Ergebnisse widersprechen mindestens drei früheren systematischen Übersichtsarbeiten, die keinen Wirksamkeitsunterschied zwischen Risperidon und Olanzapin feststellten.

Die Autoren führen diese Diskrepanz auf die verwendeten Outcome-Maße zurück: Die vorliegende Studie verglich objektive Ansprechraten (dichotome Endpunkte: gebessert/nicht gebessert), während frühere Übersichtsarbeiten individuelle Skalenwerte (kontinuierliche Endpunkte) verglichen. Obwohl die Autoren Vorteile ihrer Methode geltend machen, gilt der Vergleich skalierter Scores wissenschaftlich allgemein als überlegen.

Klinische Implikationen und Ausblick

Angesichts der Limitationen der Studie sehe ich keinen Anlass, Olanzapin allein auf Basis dieser Ergebnisse gegenüber Risperidon zu bevorzugen. Stattdessen werde ich die Wahl des Antipsychotikums weiterhin individuell an den spezifischen Patientenbedürfnissen, den Zielsymptomen und dem Nebenwirkungsprofil ausrichten.

Der mögliche pathophysiologische Unterschied zwischen Wahrnehmungsstörungen bei Demenz und anderen Erkrankungen verdient dennoch Beachtung. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten den Einsatz von Substanzen untersuchen, die auf Glutamat, Acetylcholin und Serotonin abzielen, um diese Symptome bei Demenzpatienten zu behandeln.

Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

Comparative efficacy and safety of olanzapine and risperidone in the treatment of psychiatric and behavioral symptoms of Alzheimer’s disease Systematic review and meta-analysis

Zhang, Zhihua MDa; Zhang, Xijuana; Xu, Lingyana

Objectives

Olanzapine and risperidone have emerged as the most widely used drugs as short-term prescription in the treatment of behavioral disturbances in dementia. The present systematic review and meta-analysis was hence performed to investigate the effectiveness and safety profile of olanzapine and risperidone in the treatment of behavioral and psychological symptoms of dementia (BPSD), aiming to provide updated suggestion for clinical physicians and caregivers.

Design

Prospective controlled clinical studies were included, of which available data was extracted. Outcomes of BEHAVE-AD scores with the variation of grades, specific behaviors variables, as well as safety signals were pooled for the analysis by odds rates and weighted mean differences, respectively.

Data Sources

Medline, Embase, Cochrane Library, China National Knowledge Infrastructure (CNKI), and WanFang.

Eligibility Criteria

Prospective, controlled clinical studies, conducted to compare the effectiveness and safety profile of olanzapine and risperidone in the treatment of BPSD.

Data Extraction and Synthesis

Interested data including baseline characteristics and necessary outcomes from the included studies were extracted independently by 2 investigators. BEHAVE-AD scale was adopted to assess the efficacy in the present study. All behaviors were evaluated at the time of the initiation of the treatment, as well as the completion of drugs courses. Adverse events were assessed with the criteria of Treatment Emergent Symptom Scale, or Coding Symbols for a Thesaurus of Adverse Reaction Terms dictionary. Weighted mean difference was used for the pooled analysis.

Results

A total of 2427 participants were included in the present meta-analysis. Comparative OR on response rate, and remarkable response rate between olanzapine and risperidone was 0.65 (95% CI: 0.51-0.84; P = .0008), and 0.62 (95% CI: 0.50-0.78; P < .0001), respectively. There were statistical differences observed by olanzapine on the improvement of variables including delusions (WMD, -1.83, 95% CI, -3.20, -0.47), and nighttime behavior disturbances (WMD, -1.99, 95% CI, -3.60, -0.38) when compared to risperidone.

Conclusion

Our results suggested that olanzapine might be statistically superior to risperidone on the reduction of BPSD of Alzheimer’s disease, especially in the relief of delusions and nighttime behavior disturbances. In addition, olanzapine was shown statistically lower risks of agitation, sleep disturbance, and extrapyramidal signs.

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Referenz

Zhang, Z.; Zhang, X. & Xu, L. (2024). Comparative efficacy and safety of olanzapine and risperidone in the treatment of psychiatric and behavioral symptoms of Alzheimer’s disease: Systematic review and meta-analysis. Medicine; 103(27):e35663.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Die potenziellen Mortalitätsvorteile von Depot-Antipsychotika (LAI) gegenüber oralen Formulierungen bei Schizophrenie zu erläutern.
  • Die Wirksamkeit verschiedener Medikamente in unterschiedlichen Dosierungen zur Rückfallprävention in der Erhaltungstherapie bipolarer Störungen zu vergleichen.
  • Die Evidenz zur vergleichenden Wirksamkeit von Olanzapin versus Risperidon bei der Behandlung von verhaltensbezogenen und psychologischen Symptomen der Demenz (BPSD) zu bewerten.
  • Die aktuelle Evidenzlage für den Einsatz von Lisdexamfetamin bei der Behandlung der Methamphetamin-Gebrauchsstörung zu beurteilen.
  • Prinzipien der Chronopharmakologie zu beschreiben, um die Verabreichung psychiatrischer Medikamente zu optimieren.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 28. März 2025
Ablaufdatum: 1. April 2028

Experten: Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., Kristin Raj, M.D., Scott R. Beach, M.D., David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M. und Derick E. Vergne, M.D.
Medizinische Redakteure: Flavio Guzmán, M.D. und Sebastián Malleza M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@ml-staging.psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.75 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

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