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03. Antidepressiva bei bipolarer Störung: Sicherer als bisher angenommen? Wenn neue Daten etablierte Überzeugungen in Frage stellen

Veröffentlicht am März 26, 2026 Ablaufdatum der Zertifizierung: März 26, 2029 DOI: 10.64239/PI-DE-QT8503

James Phelps, M.D.

Research Editor - Psychopharmacology Institute

Kernpunkte

  • • Obwohl die ISBD-Task-Force 2014 vor einer Antidepressivum-Monotherapie bei Bipolar-I-Störung gewarnt hat, zeigte diese neue Netzwerk-Metaanalyse kein signifikant erhöhtes Switch-Risiko im Vergleich zu Placebo.
  • • Die Evidenz für eine Antidepressivum-Monotherapie bleibt jedoch begrenzt und stützt sich hauptsächlich auf drei ältere Studien mit Amineptin, Tranylcypromin oder Paroxetin.
  • • Noradrenerge Antidepressiva wie Venlafaxin, Imipramin und Desipramin weisen möglicherweise das höchste Switch-Risiko auf.

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Neue Metaanalyse stellt Standardempfehlungen in Frage

Ich muss zugeben, dass ich nach der ersten Lektüre dieses neuen Artikels verwirrt und beunruhigt war. Die Standardempfehlung ist hinlänglich bekannt: Bei der bipolaren Depression vom Typ I werden Antidepressiva nicht als Monotherapie eingesetzt.

Diese neue Netzwerk-Metaanalyse ergab jedoch, dass kein Antidepressivum im Vergleich zu Placebo mit einem signifikant erhöhten Risiko eines Switch in eine Manie assoziiert war – selbst nicht bei Gabe als Monotherapie.

Der ISBD-Taskforce-Konsens von 2014

Im Jahr 2014 berief die International Society for Bipolar Disorders (ISBD) eine Taskforce zu Antidepressiva ein, an der 60 Co-Autoren beteiligt waren – die gesamte akademische Elite wollte Teil dieses Projekts sein.

Ihr Fazit: Das Risiko, durch Antidepressiva einen Wechsel in eine Manie auszulösen, ist zu hoch. Dieses Risiko bleibt erheblich, sofern der Patient nicht bereits ein Antipsychotikum oder einen Stimmungsstabilisator einnimmt.

Die 60 Co-Autoren durchliefen eine anonyme, iterative Fragebogenserie, um ihre abschließende Empfehlung zu erarbeiten – den sogenannten Delphi-Prozess. Ihr eindeutiges Fazit für die Bipolar-I-Störung lautete, dass eine Antidepressiva-Monotherapie eine Manie induzieren kann. Anzumerken ist, dass die Taskforce zur Anwendung von Antidepressiva bei der Bipolar-II-Störung keine Stellung bezog, da die Evidenzlage keine belastbaren Schlussfolgerungen zuließ.

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Metaanalyse deutet auf geringeres Risiko hin

Diese neue Metaanalyse legt nahe, dass das Risiko nicht groß genug ist, um diese Zurückhaltung zu rechtfertigen. Die Autoren berücksichtigten ausschließlich randomisierte Studien mit Placebo-Kontrolle, was den Netzwerkvergleich zwischen einzelnen Antidepressiva ermöglichte.

Sie kommen zu dem Schluss, dass „diese Befunde den vorsichtigen Einsatz von Antidepressiva als kurzfristige Add-on-Therapie unterstützen.“ Diese neue Netzwerk-Metaanalyse kann uns daran erinnern, dass selbst unsere fest verankerten Annahmen einer kritischen Überprüfung standhalten müssen.

Wir sollten offen bleiben für ein Überdenken bestehender Positionen. Untersuchen wir daher, was diese scheinbar divergierenden Ergebnisse erklären könnte.

Mögliche Erklärungen für die divergierenden Befunde

Wurde Manie so weit gefasst definiert, dass viele Teilnehmer – einschließlich jener unter Placebo – die Kriterien erfüllten?

Wurden möglicherweise nur Patienten mit Bipolar-II- und nicht mit Bipolar-I-Störung eingeschlossen, bei der das Switch-Risiko als höher gilt?

Wurden ausschließlich Patienten unter gleichzeitiger Einnahme eines Stimmungsstabilisators oder Antipsychotikums untersucht, was die Switch-Rate senken kann?

Die entsprechenden Patienten stammten jedoch überwiegend aus drei Studien: zwei älteren Untersuchungen mit Amineptin bzw. Tranylcypromin sowie einer Studie aus dem Jahr 2010 mit Paroxetin. Letztere legte für die Definition eines Switch einen hohen Schwellenwert an – einen YMRS-Wert von 16 oder mehr, was einem ausgeprägten manischen Zustandsbild entspricht.

Es sei daher in Erinnerung gerufen: Die zentrale Schlussfolgerung dieser neuen Metaanalyse – dass eine Antidepressiva-Monotherapie ein etwas höheres Risiko als Placebo aufweist – stützt sich maßgeblich auf diese drei Studien.

Venlafaxin mit erhöhtem Switch-Risiko

Anzumerken ist abschließend noch ein klinisch relevanter Befund: Im Vergleich zu SSRI war das relative Risiko für Venlafaxin zwei- bis viermal höher.

Die Autoren führten dies möglicherweise auf die noradrenergen Effekte von Venlafaxin zurück. Imipramin und Desipramin – ebenfalls noradrenerg wirksam – wiesen das nächsthöhere Switch-Risiko unter den Antidepressiva auf.

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Fazit: Offen bleiben für eine sich entwickelnde Evidenzlage

Zusammenfassend erinnert uns diese neue Studie daran, offen für Daten zu bleiben – auch wenn diese gut etablierte oder gar liebgewonnene Überzeugungen in Frage stellen.

Orientieren Sie sich an der Gesamtheit der Evidenz. Suchen Sie nach Konsens, aber halten Sie Schlussfolgerungen stets für revidierbar.

Abstract

Zusammenfassung des Originalartikels, in englischer Sprache wiedergegeben.

Switch to mania after acute antidepressant treatment for bipolar depression: a systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials

Vincenzo Olivaa, Michele De Prisco, Enrico La Spina, Sofia Paolucci, Giovanna Fico, Gerard Anmella et al.

Background

The potential for antidepressants to induce a switch to mania remains a major concern in the treatment of bipolar depression, but the specific risk associated with different antidepressants remains unclear. This systematic review and network meta-analysis (NMA) assessed this risk by comparing individual antidepressants with each other and with a common placebo.

Methods

In this systematic review and network meta-analysis, we searched ClinicalTrials.gov, CENTRAL, PsycINFO, PubMed, Scopus, and Web of Science from database inception up to Feb 19, 2025, with no language restrictions, for randomised controlled trials (RCTs) assessing acute antidepressant treatment in bipolar depression. The primary outcome was the rate of switch to mania after antidepressant treatment. A frequentist NMA estimated risk ratios (RRs) and 95% confidence intervals. Sensitivity analyses were performed based on treatment regimen (monotherapy or add-on), baseline severity, switch to mania definition, study setting, psychiatric comorbidity, treatment duration, non-pharmacological combinations, industry sponsorship, and risk of bias. Certainty of evidence was assessed using the CINeMA framework. The protocol was preregistered on the Open Science Framework.

Findings

Of 2434 records screened, 13 RCTs (1362 patients; 818 [60.1%] female, 511 [37.5%] male, and 33 [2.4%] not disclosed) were included in the NMA. Although some evidence of increased risk of switching to mania was observed, no antidepressant was associated with a significantly higher risk of switch to mania compared to placebo. Venlafaxine showed the highest risk estimate among antidepressants, though not statistically significant RR (4.53 [95% CI 0.47-43.25]), and was the only compound with consistent signals of increased switch in individual studies. The evidence base was larger for add-on therapy, while fewer data were available for monotherapy. Sensitivity analyses confirmed the results. Heterogeneity was low. Overall confidence in the evidence was rated as low.

Interpretation

Antidepressants remain a treatment option for acute bipolar depression, particularly as add-on therapy. Their use should be individualised, considering patient-specific profiles and other potential risks, in line with a precision psychiatry approach. Further studies are needed to clarify long-term safety.

Funding

None.

Referenz

Oliva, V.; De Prisco, M.; La Spina, E.; Paolucci, S.; Fico, G.; Anmella, G. et al. (2025). Switch to mania after acute antidepressant treatment for bipolar depression: a systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials. eClinicalMedicine; 87:103413.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Die wichtigsten Sicherheitsergebnisse aus der EMERGENT-5-Studie zu benennen und die empfohlenen Überwachungsparameter für Patienten unter Langzeittherapie mit Xanomelin-Trospium zu beschreiben.
  • Zwischen den Evidenzen für Trazodon bei primärer Insomnie und bei depressionsassoziierter Insomnie zu unterscheiden und diese Unterscheidung in die klinische Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.
  • Die Evidenz aus einer Netzwerk-Metaanalyse zum Risiko eines antidepressivainduzierten manischen Switches bei bipolaren Störungen zu bewerten und mit den ISBD-Konsensusempfehlungen von 2014 zu vergleichen.
  • Den postulierten inflammatorischen Subtyp der spätmanifestierenden Depression zu beschreiben sowie potenzielle Biomarker und alternative Therapiestrategien für Patienten mit erhöhten Entzündungsmarkern zu identifizieren.
  • Risikofaktoren für den Missbrauch und die Weitergabe verschreibungspflichtiger Stimulanzien bei Patienten mit ADHS zu erkennen und Monitoring-Strategien anzuwenden, um diese Risiken in der klinischen Praxis zu reduzieren.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 26. März 2026
Ablaufdatum: 26. März 2029

Experten: Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P., Paul Zarkowski, M.D., James Phelps, M.D., Scott R. Beach, M.D. und David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M.
Medizinische Redakteure: Sebastián Malleza M.D. und Flavio Guzmán, M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Oliver Freudenreich, M.D., F.A.C.L.P. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Karuna: Researcher (MGH)
– Medscape: Speaker honorarium
– Wolters-Kluwer: Royalties for medical writing

James Phelps, M.D. legt die folgenden Beziehungen offen:
– McGraw-Hill: Published books about bipolar
– W.W. Norton & Co.: Published books about bipolar
– PESI: Honoraria for webinars about bipolar
– eCare: Honoraria for webinars about bipolar

David A. Gorelick, M.D., Ph.D., D.L.F.A.P.A., F.A.S.A.M. legt die folgenden Beziehungen offen:
– Wolters Kluwer: Royalties for writing articles about cannabis and cocaine
– Springer Nature: Honoraria for editing the Journal of Cannabis Research
– PleoPhmarma, Inc.: Research funding for conducting a clinical trial on cannabis withdrawal

Alle oben aufgeführten relevanten finanziellen Beziehungen wurden von Medical Academy und dem Psychopharmacology Institute mitigiert.

Keiner der übrigen Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@ml-staging.psychopharmacologyinstitute.com

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Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

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Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

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