Folien und Transkript
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Sprechen wir nun über Schwangerschaft und Medikamentenwirksamkeit. Zunächst einmal beeinflusst die Schwangerschaft die Wirksamkeit von Medikamenten.
Referenzen:
- Amanda Koire, M.D., Ph.D.
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Sie kann die Wirkung von Medikamenten auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie kann die Arzneimittelresorption beeinträchtigen. Daher ist sie mit einer langsameren Magenentleerung und einer langsameren Darm- und Kolonpassage verbunden. Sie kann die Arzneimittelverteilung durch ein erhöhtes Plasmavolumen, Veränderungen der Proteinbindung und ein niedrigeres Verhältnis von Muskelmasse zu Fettgewebe beeinflussen.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Pariente, G., Leibson, T., Carls, A., Adams-Webber, T., Ito, S., & Koren, G. (2016). Pregnancy-associated changes in pharmacokinetics: A systematic review. PLoS Medicine, 13(11), e1002160. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002160
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Sie kann auch den hepatischen Metabolismus durch eine erhöhte Aktivität der CYP-Enzyme beeinflussen. Und die Schwangerschaft kann die Arzneimittelausscheidung beeinflussen, insbesondere durch einen erhöhten renalen Blutfluss und eine erhöhte GFR, die glomeruläre Filtrationsrate.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Pariente, G., Leibson, T., Carls, A., Adams-Webber, T., Ito, S., & Koren, G. (2016). Pregnancy-associated changes in pharmacokinetics: A systematic review. PLoS Medicine, 13(11), e1002160. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002160
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Aufgrund dieser Veränderungen ist es nicht ungewöhnlich, dass höhere Medikamentendosen erforderlich sind, um mit fortschreitender Schwangerschaft die gleiche Wirkung zu erzielen. Typischerweise treten Symptome oft zu Beginn des dritten Trimesters wieder auf. Das bedeutet nicht, dass Sie die Dosierung proaktiv ändern oder immer einen Medikamentenspiegel bestimmen müssen. Das hängt vom jeweiligen Medikament ab. Aber seien Sie nicht überrascht, wenn aufgrund der physiologischen und biochemischen Veränderungen vorübergehend eine höhere Dosis erforderlich ist.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Abduljalil, K., & Badhan, R. K. S. (2020). Drug dosing during pregnancy—opportunities for physiologically based pharmacokinetic models. Journal of Pharmacokinetics and Pharmacodynamics, 47(4), 319-340. https://doi.org/10.1007/s10928-020-09698-w
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Es gibt einige spezifische Medikamente, die durch die Schwangerschaft in besonderer Weise beeinflusst werden. SSRI oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können durch den hepatischen CYP-Enzym-Metabolismus beeinflusst werden. Die Antidepressiva-Spiegel können besonders in der späten Schwangerschaft sinken. In diesem Fall sollten Sie die Dosis erhöhen, wenn klinisch Symptome wieder auftreten. Bei Lamotrigin können Erhöhungen von Östrogen und Östradiol während der Schwangerschaft die Phase-2-Glukuronidierung steigern, was die Lamotrigin-Spiegel senkt. Die Spiegel können bis zum zweiten Trimester um 50% sinken, und Patientinnen benötigen möglicherweise eine erhöhte Dosis, wenn Symptome wieder auftreten.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Abduljalil, K., & Badhan, R. K. S. (2020). Drug dosing during pregnancy—opportunities for physiologically based pharmacokinetic models. Journal of Pharmacokinetics and Pharmacodynamics, 47(4), 319-340. https://doi.org/10.1007/s10928-020-09698-w
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Lithium ist ein Medikament, auf das in der Schwangerschaft besonders zu achten ist. Es ist wichtig, die Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Lithium-Dosierung zu berücksichtigen, da die erhöhte GFR während der Schwangerschaft die Lithium-Spiegel reduzieren kann, was wichtige klinische Auswirkungen haben kann. Besonders bei Lithium kann es sehr vorteilhaft sein, die Spiegel recht häufig zu überwachen, vor allem im dritten Trimester, um im therapeutischen Bereich zu bleiben.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
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In der klinischen Praxis ist es üblich, die Lithium-Dosis während der Wehen und der Entbindung auszusetzen, dann den Lithium-Spiegel nach der Entbindung erneut zu überprüfen und das Medikament wieder anzusetzen. Denn bei der Entbindung kehren das Gefäßvolumen und die Lithium-Clearance rasch auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück, und Sie möchten sicherstellen, dass die Person nach der Entbindung keine Lithium-Toxizität erfährt.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
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Wenn wir über Medikamente während der Schwangerschaft nachdenken, ist es wichtig zu erkennen, dass das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden mit oder ohne Medikamente häufig ist. Allerdings ist das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden viel höher, wenn Medikamente abgesetzt werden. Bei Frauen mit einer Vorgeschichte einer Major Depression, die euthym in die Schwangerschaft eintraten, erlebten 68% derjenigen, die ihr Antidepressivum absetzten, einen Rückfall während der Schwangerschaft, verglichen mit nur 26% derjenigen, die ihre Medikation fortsetzten.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Cohen, L. S., Altshuler, L. L., Harlow, B. L., Nonacs, R., Newport, D. J., Viguera, A. C., Suri, R., Burt, V. K., Hendrick, V., Reminick, A. M., Loughead, A., Vitonis, A. F., & Stowe, Z. N. (2006). Relapse of major depression during pregnancy in women who maintain or discontinue antidepressant treatment. JAMA, 295(5), 499-507. https://doi.org/10.1001/jama.295.5.499
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Bei Frauen mit einer Vorgeschichte einer bipolaren Störung, die euthym in die Schwangerschaft eintraten, erlebten 85,5% derjenigen, die ihren Stimmungsstabilisator absetzten, einen Rückfall während der Schwangerschaft, der eine depressive Episode, manische, hypomanische oder gemischte Episode sein konnte, verglichen mit 27% derjenigen, die die Behandlung fortsetzten. In beiden Fällen ist das Rückfallrisiko beim Absetzen der Medikamente also weitaus höher, aber es ist auch bei Fortsetzung der Behandlung nicht unerheblich.
Referenzen:
- Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
- Cohen, L. S., Altshuler, L. L., Harlow, B. L., Nonacs, R., Newport, D. J., Viguera, A. C., Suri, R., Burt, V. K., Hendrick, V., Reminick, A. M., Loughead, A., Vitonis, A. F., & Stowe, Z. N. (2006). Relapse of major depression during pregnancy in women who maintain or discontinue antidepressant treatment. JAMA, 295(5), 499-507. https://doi.org/10.1001/jama.295.5.499
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Zusammenfassend hier einige Kernpunkte für diesen Abschnitt. Die Physiologie der Schwangerschaft kann dazu führen, dass eine zuvor stabile Medikamentendosis erhöht werden muss. Die Dosierung sollte im Allgemeinen eher durch das klinische Bild als durch theoretische Überlegungen bestimmt werden. Das Wiederauftreten einer Stimmungsstörung kann auch dann auftreten, wenn eine Patientin die Medikation während der Schwangerschaft fortsetzt, ist aber weitaus wahrscheinlicher, wenn sie ihre Medikamente abgesetzt hat.
