Kostenloser Bereich  - Video Lectures

02. Einfluss der Schwangerschaft auf die Medikamentenwirksamkeit und Dosierungsüberlegungen

Veröffentlicht am Januar 1, 2025 Ablaufdatum der Zertifizierung: Januar 1, 2028 DOI: 10.64239/PI-DE-VL8902

Amanda Koire, M.D., Ph.D.

Attending Psychiatrist & Assistant Professor of Psychiatry - Brigham and Women's Hospital - Harvard Medical School

Kernpunkte

  • • Die Schwangerschaft kann die Medikamentenwirksamkeit durch Veränderungen in Absorption, Distribution, Metabolismus und Elimination beeinflussen und möglicherweise höhere Dosierungen erfordern.
  • • Bei SSRIs und Lamotrigin können die Serumspiegel während der Schwangerschaft sinken; bei erneutem Auftreten von Symptomen sollte eine Dosiserhöhung in Betracht gezogen werden.
  • • Eine erhöhte GFR während der Schwangerschaft kann die Lithiumspiegel senken; Serumspiegel sollten engmaschig kontrolliert und die Dosierung entsprechend angepasst werden.

Kostenlose Downloads für Offline-Zugriff

  • Free Download PDF File
  • Free Download Audio File (MP3)
  • Free Download Video (MP4)

Folien und Transkript

Folie 1 von 10

Sprechen wir nun über Schwangerschaft und Medikamentenwirksamkeit. Zunächst einmal beeinflusst die Schwangerschaft die Wirksamkeit von Medikamenten.
Referenzen:
  • Amanda Koire, M.D., Ph.D.

Folie 2 von 10

Sie kann die Wirkung von Medikamenten auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie kann die Arzneimittelresorption beeinträchtigen. Daher ist sie mit einer langsameren Magenentleerung und einer langsameren Darm- und Kolonpassage verbunden. Sie kann die Arzneimittelverteilung durch ein erhöhtes Plasmavolumen, Veränderungen der Proteinbindung und ein niedrigeres Verhältnis von Muskelmasse zu Fettgewebe beeinflussen.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Pariente, G., Leibson, T., Carls, A., Adams-Webber, T., Ito, S., & Koren, G. (2016). Pregnancy-associated changes in pharmacokinetics: A systematic review. PLoS Medicine, 13(11), e1002160. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002160

Folie 3 von 10

Sie kann auch den hepatischen Metabolismus durch eine erhöhte Aktivität der CYP-Enzyme beeinflussen. Und die Schwangerschaft kann die Arzneimittelausscheidung beeinflussen, insbesondere durch einen erhöhten renalen Blutfluss und eine erhöhte GFR, die glomeruläre Filtrationsrate.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Pariente, G., Leibson, T., Carls, A., Adams-Webber, T., Ito, S., & Koren, G. (2016). Pregnancy-associated changes in pharmacokinetics: A systematic review. PLoS Medicine, 13(11), e1002160. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002160
Kostenlose Dateien
Erfolg!
Prüfen Sie Ihren Posteingang, wir haben Ihnen alle Materialien dorthin gesendet.

Folie 4 von 10

Aufgrund dieser Veränderungen ist es nicht ungewöhnlich, dass höhere Medikamentendosen erforderlich sind, um mit fortschreitender Schwangerschaft die gleiche Wirkung zu erzielen. Typischerweise treten Symptome oft zu Beginn des dritten Trimesters wieder auf. Das bedeutet nicht, dass Sie die Dosierung proaktiv ändern oder immer einen Medikamentenspiegel bestimmen müssen. Das hängt vom jeweiligen Medikament ab. Aber seien Sie nicht überrascht, wenn aufgrund der physiologischen und biochemischen Veränderungen vorübergehend eine höhere Dosis erforderlich ist.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Abduljalil, K., & Badhan, R. K. S. (2020). Drug dosing during pregnancy—opportunities for physiologically based pharmacokinetic models. Journal of Pharmacokinetics and Pharmacodynamics, 47(4), 319-340. https://doi.org/10.1007/s10928-020-09698-w

Folie 5 von 10

Es gibt einige spezifische Medikamente, die durch die Schwangerschaft in besonderer Weise beeinflusst werden. SSRI oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können durch den hepatischen CYP-Enzym-Metabolismus beeinflusst werden. Die Antidepressiva-Spiegel können besonders in der späten Schwangerschaft sinken. In diesem Fall sollten Sie die Dosis erhöhen, wenn klinisch Symptome wieder auftreten. Bei Lamotrigin können Erhöhungen von Östrogen und Östradiol während der Schwangerschaft die Phase-2-Glukuronidierung steigern, was die Lamotrigin-Spiegel senkt. Die Spiegel können bis zum zweiten Trimester um 50% sinken, und Patientinnen benötigen möglicherweise eine erhöhte Dosis, wenn Symptome wieder auftreten.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Abduljalil, K., & Badhan, R. K. S. (2020). Drug dosing during pregnancy—opportunities for physiologically based pharmacokinetic models. Journal of Pharmacokinetics and Pharmacodynamics, 47(4), 319-340. https://doi.org/10.1007/s10928-020-09698-w

Folie 6 von 10

Lithium ist ein Medikament, auf das in der Schwangerschaft besonders zu achten ist. Es ist wichtig, die Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Lithium-Dosierung zu berücksichtigen, da die erhöhte GFR während der Schwangerschaft die Lithium-Spiegel reduzieren kann, was wichtige klinische Auswirkungen haben kann. Besonders bei Lithium kann es sehr vorteilhaft sein, die Spiegel recht häufig zu überwachen, vor allem im dritten Trimester, um im therapeutischen Bereich zu bleiben.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
Kostenlose Dateien
Erfolg!
Prüfen Sie Ihren Posteingang, wir haben Ihnen alle Materialien dorthin gesendet.

Folie 7 von 10

In der klinischen Praxis ist es üblich, die Lithium-Dosis während der Wehen und der Entbindung auszusetzen, dann den Lithium-Spiegel nach der Entbindung erneut zu überprüfen und das Medikament wieder anzusetzen. Denn bei der Entbindung kehren das Gefäßvolumen und die Lithium-Clearance rasch auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück, und Sie möchten sicherstellen, dass die Person nach der Entbindung keine Lithium-Toxizität erfährt.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087

Folie 8 von 10

Wenn wir über Medikamente während der Schwangerschaft nachdenken, ist es wichtig zu erkennen, dass das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden mit oder ohne Medikamente häufig ist. Allerdings ist das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden viel höher, wenn Medikamente abgesetzt werden. Bei Frauen mit einer Vorgeschichte einer Major Depression, die euthym in die Schwangerschaft eintraten, erlebten 68% derjenigen, die ihr Antidepressivum absetzten, einen Rückfall während der Schwangerschaft, verglichen mit nur 26% derjenigen, die ihre Medikation fortsetzten.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Cohen, L. S., Altshuler, L. L., Harlow, B. L., Nonacs, R., Newport, D. J., Viguera, A. C., Suri, R., Burt, V. K., Hendrick, V., Reminick, A. M., Loughead, A., Vitonis, A. F., & Stowe, Z. N. (2006). Relapse of major depression during pregnancy in women who maintain or discontinue antidepressant treatment. JAMA, 295(5), 499-507. https://doi.org/10.1001/jama.295.5.499

Folie 9 von 10

Bei Frauen mit einer Vorgeschichte einer bipolaren Störung, die euthym in die Schwangerschaft eintraten, erlebten 85,5% derjenigen, die ihren Stimmungsstabilisator absetzten, einen Rückfall während der Schwangerschaft, der eine depressive Episode, manische, hypomanische oder gemischte Episode sein konnte, verglichen mit 27% derjenigen, die die Behandlung fortsetzten. In beiden Fällen ist das Rückfallrisiko beim Absetzen der Medikamente also weitaus höher, aber es ist auch bei Fortsetzung der Behandlung nicht unerheblich.
Referenzen:
  • Deligiannidis, K. M., Byatt, N., & Freeman, M. P. (2014). Pharmacotherapy for mood disorders in pregnancy: A review of pharmacokinetic changes and clinical recommendations for therapeutic drug monitoring. Journal of Clinical Psychopharmacology, 34(2), 244-255. https://doi.org/10.1097/JCP.0000000000000087
  • Cohen, L. S., Altshuler, L. L., Harlow, B. L., Nonacs, R., Newport, D. J., Viguera, A. C., Suri, R., Burt, V. K., Hendrick, V., Reminick, A. M., Loughead, A., Vitonis, A. F., & Stowe, Z. N. (2006). Relapse of major depression during pregnancy in women who maintain or discontinue antidepressant treatment. JAMA, 295(5), 499-507. https://doi.org/10.1001/jama.295.5.499
Kostenlose Dateien
Erfolg!
Prüfen Sie Ihren Posteingang, wir haben Ihnen alle Materialien dorthin gesendet.

Folie 10 von 10

Zusammenfassend hier einige Kernpunkte für diesen Abschnitt. Die Physiologie der Schwangerschaft kann dazu führen, dass eine zuvor stabile Medikamentendosis erhöht werden muss. Die Dosierung sollte im Allgemeinen eher durch das klinische Bild als durch theoretische Überlegungen bestimmt werden. Das Wiederauftreten einer Stimmungsstörung kann auch dann auftreten, wenn eine Patientin die Medikation während der Schwangerschaft fortsetzt, ist aber weitaus wahrscheinlicher, wenn sie ihre Medikamente abgesetzt hat.

Lernziele:
Nach Abschluss dieser Aktivität ist der Teilnehmer in der Lage:

  • Die Prävalenz perinataler psychischer Erkrankungen sowie die Barrieren zu ihrer Behandlung zu beschreiben.
  • Zu erläutern, wie die Schwangerschaft die Wirksamkeit von Medikamenten durch physiologische Veränderungen beeinflusst, und zu erkennen, wann Dosisanpassungen bei gängigen psychiatrischen Pharmaka erforderlich sein können.
  • Die Risiken und den Nutzen einer Fortführung versus eines Absetzens psychiatrischer Medikamente in der Schwangerschaft abzuwägen und zu diskutieren, unter Einbeziehung evidenzbasierter Daten zur gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den Patientinnen.

Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 1. Januar 2025
Ablaufdatum: 1. Januar 2028

Referent: Amanda Koire, M.D.
Medizinischer Redakteur: Flavio Guzmán, M.D.

Offenlegung relevanter finanzieller Beziehungen:

Keiner der Referenten, Planer und Gutachter dieser Bildungsaktivität hat für die letzten 24 Monate relevante finanzielle Beziehungen zu nicht teilnahmeberechtigten Unternehmen offenzulegen, deren Hauptgeschäft in der Herstellung, Vermarktung, dem Verkauf, Weiterverkauf oder Vertrieb von Gesundheitsprodukten besteht, die von oder an Patienten verwendet werden.

Kontaktinformationen: Bei Fragen zum Inhalt oder zum Zugang zu dieser Aktivität kontaktieren Sie uns unter support@ml-staging.psychopharmacologyinstitute.com

Anleitung für Teilnahme und Credit:
Die Teilnehmer müssen die Aktivität online innerhalb des oben angegebenen Gültigkeitszeitraums des Credits abschließen.

Befolgen Sie diese Schritte, um CME-Credit zu erhalten:

  1. Sehen Sie sich die erforderlichen Bildungsinhalte auf dieser Kursseite an.
  2. Füllen Sie die Evaluation nach der Aktivität aus, um das für die fortlaufende Akkreditierung und die Entwicklung künftiger Aktivitäten erforderliche Feedback zu geben. HINWEIS: Das Ausfüllen der Evaluation nach dem Quiz ist Voraussetzung für den Erhalt des erworbenen Credits.
  3. Laden Sie Ihr Zertifikat herunter.

Bitte beachten Sie, dass die Abschlussdaten der CME- und SA-CME-Zertifikate in UTC erfasst werden. Je nach Ihrer lokalen Zeitzone können spät am Tag abgeschlossene Aktivitäten auf Ihrem Zertifikat mit dem Datum des Folgetages erscheinen.

Accreditation Statement:
This activity has been planned and implemented in accordance with the accreditation requirements and policies of the Accreditation Council for Continuing Medical Education through the joint providership of Medical Academy LLC and the Psychopharmacology Institute. Medical Academy is accredited by the ACCME to provide continuing medical education for physicians.

Akkreditierungserklärung (Referenzübersetzung): Diese Aktivität wurde in Übereinstimmung mit den Akkreditierungsanforderungen und -richtlinien des Accreditation Council for Continuing Medical Education im Rahmen der gemeinsamen Trägerschaft von Medical Academy LLC und dem Psychopharmacology Institute geplant und durchgeführt. Medical Academy ist vom ACCME akkreditiert, ärztliche Fortbildung anzubieten.

Credit Designation Statement:
Medical Academy designates this enduring activity for a maximum of 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™. Physicians should claim only the credit commensurate with the extent of their participation in the activity.

Erklärung zur Credit-Vergabe (Referenzübersetzung): Medical Academy weist dieser dauerhaften Aktivität maximal 0.5 AMA PRA Category 1 credit(s)™ zu. Ärzte sollten nur den Credit geltend machen, der dem Umfang ihrer Teilnahme an der Aktivität entspricht.

Die ANCC erkennt AMA PRA Category 1 Credit(s)™ als Kontaktstunden an, nach folgender Umrechnung: 1 CME = 1 Kontaktstunde. Alle unsere Inhalte betreffen die Psychopharmakologie, daher entsprechen die auf Ihrem Zertifikat ausgewiesenen Pharmakologiestunden den für diese Aktivität vergebenen Credits. Das Zertifikat weist sie in einer eigenen Zeile aus, getrennt von der Erklärung zur Credit-Vergabe.

Offenlegung zum Einsatz künstlicher Intelligenz (KI):
Bei der Entwicklung dieser Aktivität können in begrenzten Phasen Werkzeuge der künstlichen Intelligenz (KI) eingesetzt worden sein (z. B. Entwurf oder sprachliche Überarbeitung). Das konkrete Werkzeug, die Version und das Nutzungsdatum sind intern dokumentiert.
KI bestimmt keine klinischen Empfehlungen. Alle Inhalte werden von den genannten Referenten und medizinischen Redakteuren geprüft, verifiziert und freigegeben und spiegeln ein unabhängiges menschliches klinisches Urteil wider, im Einklang mit den ACCME Standards for Integrity and Independence in Accredited Continuing Education.

Kostenlose Dateien
Erfolg!
Prüfen Sie Ihren Posteingang, wir haben Ihnen alle Materialien dorthin gesendet.
Weiter auf der Website
Instant access modal

Werden Sie ein Bronze – de, Silver – de, Bronze extended – de oder Silver extended – de-Mitglied.

2026–27 Psychopharmacology CME Program

Unlock up to CME Credits, including SA CME Credits.

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.