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Haloperidol bleibt das unbeliebteste Medikament der Kardiologen
Befragt man 100 Kardiologen nach ihrem unbeliebtesten psychiatrischen Medikament, dürfte eine große Mehrheit Haloperidol nennen – insbesondere IV-Haloperidol. Schon vor der Black-Box-Warnung der FDA im Jahr 2007 war kein psychiatrisches Medikament in den Köpfen von Internisten und anderen medizinischen Teams so stark mit unerwünschten kardialen Ereignissen assoziiert – allen voran ventrikuläre Arrhythmien.
Mehrmals wöchentlich werde ich von stationären Teams gebeten, ein Medikament zur Behandlung der Folgeerscheinungen eines Delirs zu empfehlen – jedoch mit der Einschränkung, etwas anderes als IV-Haloperidol zu wählen, da Bedenken hinsichtlich einer QTc-Verlängerung oder Torsades de pointes bestehen. Kein anderes Medikament wird mir gegenüber so häufig als zu vermeidend bezeichnet.
Seit Jahren versuchen meine Kollegen und ich, unsere Fachkollegen über den Unterschied zwischen den mit IV-Haloperidol assoziierten Mythen und der tatsächlichen Evidenzlage aufzuklären. Einige neuere Studien und Übersichtsarbeiten haben dabei geholfen, doch keine hatte das Potenzial, so nachhaltig zu wirken wie eine kürzlich in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlichte Metaanalyse – das Thema des heutigen Quick Take.
Metaanalyse stellt Bedenken gegenüber Haloperidol in Frage
Die Autoren der vorliegenden Studie analysierten die Literatur zu schwerwiegenden unerwünschten kardialen Ereignissen unter Haloperidol und konzentrierten sich dabei auf die Evidenz höchster Qualität. Eingeschlossen wurden 84 randomisierte kontrollierte Studien mit über 12.000 Patienten, in denen zusammen über 1.100 kardiale Ereignisse berichtet wurden. Der weitaus größte Teil dieser Ereignisse – knapp 98 % – entfiel auf Todesfälle.
Die Indikationen für Haloperidol variierten studienübergreifend und umfassten:
- Psychiatrische Erkrankungen
- Delir-Prophylaxe und -Management
- Demenz
Ein Drittel der eingeschlossenen Studien nutzte den intravenösen Applikationsweg. Die mittlere Tagesdosis von Haloperidol betrug etwa 7 mg und war damit niedrig bis moderat, bei einer Spannweite von 1 bis 40 mg.
Ein Viertel der Studien wies ein mittleres oder medianes Alter der Teilnehmer von über 65 Jahren aus, was darauf hindeutet, dass eine ältere Population, die möglicherweise ein erhöhtes Risiko für unerwünschte kardiale Ereignisse aufweist, gut repräsentiert war.
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Kein Unterschied zwischen Haloperidol und Placebo
Die Autoren stellten fest, dass sich hinsichtlich unerwünschter kardialer Ereignisse oder Todesfälle kein Unterschied zwischen Patienten zeigte, die Haloperidol erhalten hatten, und jenen, die Placebo erhalten hatten.
- Unter Haloperidol trat kein plötzlicher Herztod auf.
- Im Haloperidol-Arm wurden insgesamt 2 Episoden von Torsades de pointes sowie 22 weitere ventrikuläre Arrhythmien verzeichnet.
- Eine Post-hoc-Analyse, die sich gezielt auf IV-Haloperidol konzentrierte, ergab ebenfalls keine Unterschiede in den Outcomes zwischen IV-Haloperidol und Placebo.
Die Bedeutung dieses Artikels für Psychiater – und insbesondere für Konsiliar- und Liaisonpsychiater – kann kaum überschätzt werden. Er stellt eine der hartnäckigsten Überzeugungen der gesamten Medizin infrage, nämlich dass Haloperidol und insbesondere IV-Haloperidol ein Hochrisiko-Medikament in Bezug auf kardiale Ereignisse darstellt.
Endpunkte: Arrhythmien und Todesfälle
Besonders positiv zu bewerten ist, dass die Autoren ihre Metaanalyse auf die Endpunkte ausgerichtet haben, die für Patienten tatsächlich relevant sind: unerwünschte kardiale Ereignisse, Arrhythmien und Todesfälle. Sie haben sich nicht in der verwandten Frage verloren, ob Haloperidol relevante Auswirkungen auf das QT-Intervall hat – eine Behauptung, die im Übrigen in jüngster Zeit ebenfalls vielfach angezweifelt wurde, unter anderem in einem systematischen Review unserer Arbeitsgruppe, der bei Dosen unter 20 mg keine QT-Verlängerung gegenüber Placebo nachweisen konnte.
EKG-Screening reduzierte Ereignisse nicht
Zu den bemerkenswerten Befunden dieser Arbeit zählt die Feststellung, dass kein Unterschied in unerwünschten kardialen Ereignissen zwischen Studien bestand, die ein Elektrokardiogramm-Screening durchführten, und solchen, die darauf verzichteten. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse legen nahe, dass ein EKG-Screening unerwünschte kardiale Ereignisse unter Haloperidol nicht reduziert.
Dies ist besonders bedeutsam, da die aktuellen FDA-Leitlinien eine Telemetrie – d. h. eine kontinuierliche kardiale Überwachung – für jeden Patienten empfehlen, der eine beliebige Dosis IV-Haloperidol erhält. Dies stellt theoretisch eine erhebliche Ressourcenbelastung im stationären Umfeld dar, wenngleich zahlreiche Studien gezeigt haben, dass diese Empfehlung häufig nicht befolgt wird. Nahezu seit Veröffentlichung der FDA-Warnung stellen Studien die Telemetrie-Empfehlung infrage – dennoch wurde der FDA-Wortlaut bis heute nicht geändert.
Eine aktuelle ICU-Studie im JAMA deutete erneut darauf hin, dass ein Monitoring keinen Nutzen bringt, und die vorliegende Studie unterstreicht diesen Punkt eindrücklich, indem sie auf eine breite Evidenzbasis zurückgreift. Für Institutionen, die bei IV-Haloperidol eine Telemetrie vorschreiben, sollte diese Metaanalyse ein Weckruf sein: Diese kostenintensive Praxis verfügt über eine äußerst schwache Evidenzbasis.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Canadian Cardiovascular Society davon abgerückt ist, selbst Basis-EKGs für Patienten zu empfehlen, die QTc-verlängernde Medikamente erhalten, und stattdessen einen durchdachten, risikostratifizierenden Ansatz favorisiert.
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Implikationen von Überwachungsrestriktionen
Warum ist die Frage der Überwachung so bedeutsam? Gibt es tatsächlich einen Nachteil der verstärkten Vorsicht, die im Umgang mit IV-Haloperidol in den vergangenen 20 Jahren geübt wurde? Ich würde argumentieren: ja.
Einschränkungen drängen Kliniker zu weniger geeigneten Alternativen
Erstens hindern Einschränkungen Kliniker daran, IV-Haloperidol als praktikable Option zu erwägen, weil der bürokratische Aufwand schlicht zu groß ist. Medikamentensicherheitswarnungen in der elektronischen Patientenakte sind für IV-Haloperidol allgegenwärtig und veranlassen verordnende Ärzte mit hoher Wahrscheinlichkeit, ihre Entscheidung zu überdenken. Diese Warnmeldungen tragen nicht nur zur Erschöpfung der Ärzte bei, sondern können Verschreiber auch zu anderen Antipsychotika wie Olanzapin oder Quetiapin lenken, die häufig als kardial sicherer gelten – obwohl es keine direkten Vergleichsstudien gibt, die einen Unterschied hinsichtlich des Risikos für ventrikuläre Arrhythmien oder andere unerwünschte kardiale Ereignisse belegen.
Verschreiber in dieser Situation glauben möglicherweise, aus kardialer Sicht ein sichereres Medikament zu wählen, und übersehen dabei die tatsächlich relevanten Unterschiede im Nebenwirkungsprofil zwischen Haloperidol und diesen anderen Wirkstoffen – etwa den deutlich ausgeprägteren anticholinergen und alpha-blockierenden Effekten der meisten atypischen Antipsychotika, die für delirante Patienten praktisch nachteiligere Konsequenzen haben können.
Klinikrichtlinien verschwenden Ressourcen und schränken wirksame Behandlungen ein
Zweitens können Patienten, die IV-Haloperidol erhalten, eine Telemetrie benötigen, wenn Krankenhäuser den aktuellen FDA-Leitlinien folgen – dies beansprucht eine knappe und möglicherweise unnötige Ressource und kann sogar eine Aufnahme auf die Intensivstation erforderlich machen. Noch bedenklicher ist, dass einige Krankenhäuser IV-Haloperidol vollständig verboten oder dessen Einsatz stark eingeschränkt haben und damit die am besten untersuchte und wirksamste Behandlungsoption für eine der häufigsten und kostspieligsten medizinischen Erkrankungen de facto entfernt haben.
Korrekt eingesetzt hat Haloperidol das Potenzial, psychiatrische Symptome wirksam zu behandeln, die Sicherheit von Patienten und Personal beim hyperaktiven Delir zu verbessern und das Risiko einer Post-Delir-PTBS oder eines Post-ICU-Syndroms zu senken. Wie die Autoren dieser Metaanalyse anmerken, konnte das Haloperidol-Management in einer Studie sogar eine Reduktion der Einjahresmortalität gegenüber Placebo zeigen. Die Einführung von Richtlinien, die die Verschreibung und Anwendung von Haloperidol ohne klare Evidenzgrundlage erschweren, birgt das Potenzial, Patienten zu schaden und Outcomes zu verschlechtern.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Am Ende ihres Artikels identifizieren die Autoren als wichtige Priorität die Entwicklung eines validierten klinischen Prädiktionsinstruments für Patienten, die QTc-verlängernde Medikamente benötigen, um Klinikern dabei zu helfen, diejenigen Faktoren zu bestimmen, die unerwünschte kardiale Ereignisse am besten vorhersagen. Genau in diese Richtung muss sich das Fachgebiet entwickeln.
Es ergibt keinen Sinn, potenziell nützliche Medikamente auf der Grundlage schwacher Evidenz zu verbieten oder eine intensive Überwachung für ein sehr unwahrscheinliches Ereignis vorzuschreiben. Darüber hinaus sind heuristische Vereinfachungen wie die Festlegung eines spezifischen QTc-Grenzwerts, unterhalb dessen IV-Haloperidol sicher angewendet werden kann, zu reduktionistisch und berücksichtigen die Nuanciertheit klinischer Entscheidungen nicht.
Stattdessen sollten Kliniker dazu übergehen, Risiken ganzheitlich zu betrachten und sorgfältige Nutzen-Risiko- bzw. – was wahrscheinlicher ist – Risiko-Risiko-Abwägungen vorzunehmen, um zu bestimmen, welche Patienten von IV-Haloperidol profitieren können, ohne ein wesentliches Risiko einzugehen.
