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Wirksamkeit von Trazodon und Leitlinienempfehlungen in Einklang bringen
Eine gängige Erklärung dafür, dass Trazodon als Antidepressivum als weitgehend gescheitert gilt, ist, dass bei der wirksamen Dosis zur Behandlung der Major Depression kaum ein Patient wach bleibt. Es wurde sogar spekuliert, dass Trazodon, wäre es heute entdeckt worden, als Schlafmedikament vermarktet würde.
Dennoch empfehlen die Leitlinien der American Academy of Sleep Medicine (AASM) Trazodon nicht für Patienten mit primärer Insomnie. Die Begründung lautet, dass die moderaten Verbesserungen der Schlafqualität durch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Somnolenz aufgewogen werden.
Wie lässt sich die klinisch wahrgenommene Wirksamkeit bei unseren Patienten mit den Leitlinienempfehlungen der American Academy of Sleep Medicine vereinbaren?
Meta-Analyse differenziert zwischen Patientenpopulationen
Glücklicherweise beleuchtet eine neue Meta-Analyse diese Diskrepanz. Zunächst gehen die Autoren davon aus, dass Patienten mit ausschließlich primärer Insomnie sich grundlegend von Patienten mit gleichzeitiger Insomnie und Depression unterscheiden könnten.
In der letztgenannten Gruppe verstärkt die Major Depression die Insomnie, und die Insomnie wiederum verstärkt die depressive Symptomatik. Aus einer initialen Suche von knapp 1.000 Studien identifizierten die Autoren 10 randomisierte kontrollierte Studien.
Diese Studien untersuchten die Sicherheit und Wirksamkeit von Trazodon bei Schlafstörungen im Rahmen einer Depression.
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Trazodon verbessert den Schlaf bei Depression
Vier dieser Studien verwendeten den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Dieser Index fasst verschiedene Maße der Schlafqualität zusammen, darunter die Einschlaflatenz sowie die Häufigkeit nächtlichen und frühzeitigen Erwachens.
Die Trazodon-Gruppe zeigte gegenüber Placebo signifikante Verbesserungen der Schlafqualität mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von 0,827. Eine Effektstärke von nahezu 1 ist ein beeindruckendes Ergebnis, wenn man die nächste Zielgröße – die Verbesserung depressiver Symptome – zum Vergleich heranzieht.
Trazodon reduziert den Schweregrad der Depression
Acht der eingeschlossenen Studien verwendeten die Hamilton-Depressionsskala (Hamilton Depression Rating Scale). Trazodon reduzierte den Schweregrad der Depression gegenüber den Kontrollgruppen signifikant, mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von 0,365.
Obwohl Trazodon häufig primär als Antidepressivum betrachtet wird, ist diese Effektstärke aus den acht eingeschlossenen Studien im Vergleich mit anderen Daten durchaus bemerkenswert. Sie entspricht insbesondere dem Effektmaß von 0,3, das üblicherweise in Zulassungsstudien für Antidepressiva als Substanzklasse beobachtet wird.
Nebenwirkungsprofil von Trazodon
Hinsichtlich der Nebenwirkungen identifizierten die Autoren spezifische Risiken im Vergleich zu Placebo.
- Verschwommenes Sehen war mit einer Odds Ratio von 18 am häufigsten.
- An zweiter Stelle folgten Somnolenz und Sedierung, die beide siebenmal häufiger auftraten.
- Schwindel, Obstipation und Mundtrockenheit traten drei- bis viermal häufiger auf.
- Kopfschmerzen waren unter Trazodon gegenüber Placebo doppelt so häufig.
Alle Unterschiede waren statistisch signifikant. Obwohl aus jeder Studie Daten zum Dosisbereich extrahiert wurden, schlossen die Autoren keine Analyse des Zusammenhangs zwischen Dosis und Nebenwirkungsprofil bzw. zwischen Dosis und Wirksamkeit ein.
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Trazodon stellt den restorativen Schlaf wieder her
Eine der Studien aus der Türkei umfasste neben dem PSQI auch polysomnographische Ableitungen. Trazodon erhöhte die Gesamtschlafdauer sowie den prozentualen Anteil der Schlafstadien 3 und 4, die als erholsamste Schlafphasen gelten.
Zudem wurde der Anteil des Schlafstadiums 1 reduziert, in dem Betroffene beim Aufwachen häufig kein Bewusstsein davon haben, geschlafen zu haben. Ein reduzierter Tiefschlaf (Slow-Wave-Schlaf) gilt als Bestandteil der Kernpathophysiologie der Major Depression.
Dies deutet darauf hin, dass Trazodon einem grundlegenden Defizit bei Patienten mit Major Depression entgegenwirken könnte.
Evidenzqualität versus Leitlinienempfehlungen
Abschließend führten die Autoren eine strukturierte GRADE-Bewertung des Evidenzniveaus und der Empfehlungsstärke durch. Dies ermöglicht einen Vergleich mit den Leitlinien der American Academy of Sleep Medicine.
Die höchste Empfehlungsstärke – „stark” – vergeben die AASM für den Einsatz der kognitiven Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) als Erstlinienbehandlung. Die Empfehlung der AASM gegen den Einsatz von Trazodon bei primärer Insomnie basiert auf einer einzigen randomisierten kontrollierten Studie und erhält eine GRADE-Bewertung von „moderat”.
Bestehend auf vier Studien stuften die Autoren der vorliegenden Meta-Analyse das Evidenzniveau für die Wirksamkeit von Trazodon zur Verbesserung der Schlafqualität bei Patienten mit Major Depression ebenfalls als „moderat” ein.
Klinische Schlussfolgerungen bei komorbider Insomnie
Mein Fazit lautet: Trazodon ist bei Insomnie in unserer Patientenpopulation wirksam. Die meisten dieser Patienten leiden nicht an einer unkomplizierten primären Insomnie, sondern häufiger an einer begleitenden Major Depression.
Die optimale Dosis sollte individuell festgelegt werden, um Wirksamkeit bei Depression und Insomnie mit dem Nebenwirkungsprofil in Einklang zu bringen. Sowohl Patienten mit primärer Insomnie als auch solche mit komorbider Insomnie sollte die KVT-I als Erstlinienbehandlung angeboten werden.
Dazu gehören ihre Komponenten kognitive Therapie, Stimuluskontrolle, Entspannungstherapie und Schlafhygiene.
Weiterführende Literatur
- Edinger JD, Arnedt JT, Bertisch SM, et al. Behavioral and psychological treatments for chronic insomnia disorder in adults: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. J Clin Sleep Med. 2021;17(2):255–262.
- Khan A, Fahl Mar K, & Brown WA. Consistently Modest Antidepressant Effects in Clinical Trials: the Role of Regulatory Requirements. Psychopharmacology Bulletin. 2021 Jun 1;51(3):79–108. doi: 10.64719/pb.4412
